Gedanken zum Evangelium

 

 

17.10.2021 / Wort-Gottes-Feier in Schneverdingen

 

29. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache

 

WGF 16.10.2021 Svd (29. Sonntag I.J. /B)

Christine Gevers

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

 

 

Eine spannende Geschichte haben wir eben gehört: Da kommen zwei Jünger zu Jesus – auch noch die beiden, die er zu allererst berufen hat, die beiden, die schon von Anfang an mit ihm zusammen gewesen sind, - und sie haben eine Bitte. Und genau diese Bitte zeigt, dass sie anscheinend überhaupt nichts von dem verstanden haben, was Jesus versucht hat, ihnen in der Zeit ihrer Gemeinschaft zu vermitteln: Sie wollen nämlich im Himmel rechts und links neben ihm sitzen.

 

Auf gut Deutsch heißt das: Sie wollen die besten Plätze haben; sie wollen Machtpositionen. Denn links und rechts, da sitzen die, die den größten Einfluss haben; die Macher, an denen niemand vorbei kommt.

 

Macht haben, das heißt oben zu sein...
Macht haben, das heißt sagen, wo es lang geht... Anderen zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.
Macht an sich ist ja auch nichts Unanständiges. Es kommt immer darauf an, was ich mit der Macht mache. Wenn ich Macht habe, kann ich gestalten. Ob ich sie einsetze zum Wohl anderer – oder nur zum eigenen Wohl.

 

 

 

 

 

Ob ich sie ge-brauche – oder miss-brauche.
Und entscheidend ist, was die Macht am Ende mit mir macht ….wie Macht mich verändert --- ob sie mich menschlicher macht – oder unmenschlicher; großzügiger oder engherziger.

 

 

 

Jakobus und Johannes, die beiden Jünger, hätten es eigentlich besser wissen müssen. Lange Zeit sind sie mit Jesus nun schon unterwegs. Sie haben gesehen, wie um ihn herum hungrige Menschen satt und kranke Menschen heil wurden; wie die Hoffnung auf eine andere, gerechte Welt in die Köpfe und Herzen gesät wurde wie ein Samenkorn, das aufgeht und Frucht bringt. Dass in dieser neuen Welt Jesus den ersten Platz hat, das war wohl für sie selbstverständlich. Alle würden auf ihn schauen und das tun, was er ihnen sagt.

 

Wer würde da nicht dabei sein wollen? Und am besten auf den ersten Plätzen, rechts und links von Jesus, ganz nah an ihrem Vorbild. Sicher fällt dann auch etwas von seinem Glanz auf sie ab.

 

Und wie die Reaktion der anderen Jünger zeigt, sind sie mit diesen Phantasien durchaus nicht die einzigen. Denn die anderen ärgern sich. Gönnen sie Johannes und Jakobus diese Premium-Plätze nicht? Hätten sie diese selbst gern – zumindest insgeheim?

 

 

 

 

Jesus muss also ihnen allen den Kopf zurechtrücken. Nein. So nicht, sondern anders; und zwar ganz anders.

 

„Bei euch soll es nicht so sein! Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein; und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“

 

 

 

Wer Jünger von Jesus wird, lässt die Fischernetze im Boot oder die Kasse an der Zollstation liegen und stellt sich in den Dienst des Himmelreiches. Wer Jesus nachgeht, stellt sich Gott zur Verfügung.

 

Es gehört Mut dazu, sich freiwillig darauf einzulassen. Der Wunsch, erfolgreich zu sein, oder die Angst, zu kurz zu kommen – beides hindert daran, Jesus nachzugehen.

 

 

 

Ob die Jünger damals verstanden haben, was Jesus mit „Dienen“ meint?

 

Es geht darum, da zu sein, wenn ich gebraucht werde.

 

Sich anderen zur Verfügung stellen – meine Zeit, mein Ohr, meine Hand.

 

Wer bei Jesus herrschen will, der muss sich auch klein machen können.

 

Wer bei Jesus groß sein will, der muss sich ganz schön tief bücken können – damit er Füße waschen kann.
Wer bei Jesus der Erste sein will, der muss zeigen, dass es ihm nichts ausmacht, der Diener/die Dienerin aller zu sein – für andere da zu sein......

 

aus Liebe, aus einer Liebe heraus, die hilft und aufhilft;
aus einer Liebe heraus, die sich nicht über andere erhebt, sondern die sich zuwendet und aufrichten will ---
aus einer Liebe heraus, die nichts für sich haben will, weil ich den anderen achte und wertschätze.

 

Manchmal fallen uns schon die kleinen Dienste schwer genug. Da können wir entweder ärgerlich werden und versuchen, unsere eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Oder wir können entscheiden, was jetzt wirklich wichtig ist, und das andere zurückstellen. In aller Freiheit.

 

Und dann sind wir ganz nah dran, ganz vorn dabei – mit Jesus und der neuen Welt Gottes! Amen.