Gedanken zum Evangelium

 

 

26.09.2021 / Wort-Gottes-Feier in Soltau

 

26. Sonntag im Jahreskreis

 

 

Ansprache von Susanne Zschätzsch

 

 

„Die will sich für den Besuchsdienst melden?  Die geht doch nie in die Kirche!“ – „Der will bei der Homepage der Gemeinde mitmachen, aber sonst sieht man ihn kaum!“ oder: „Wie, du willst, dass jetzt Frauen zu Priestern geweiht werden? Du verrätst den katholischen Glauben!“

 

Solche und ähnliche Äußerungen sind immer wieder mal von Gemeindemitgliedern oder strengen Katholiken zu hören. Im Hintergrund steht die Frage: Wer gehört denn eigentlich zur Gemeinde, wer hat den „richtigen“ Glauben?

 

Nur diejenigen, die im Gemeindeleben immer präsent sind? Oder diejenigen, die in allen Bereichen mit der offiziellen Lehrmeinung übereinstimmen?

 

Oder auch diejenigen, die suchen, die sich nur mit einem Teil der christlichen Lehre anfreunden können? Die nur an bestimmten Punkten „andocken“ und nur bei begrenzten Projekten mitarbeiten? Oftmals tun sie das im sozialen Bereich und setzen sich engagiert ein für Geflüchtete, Einsame oder Sterbende.

 

Auf unserem Textblatt sehen Sie eine Nuss. Sie ist für mich Symbol für die Aussage Jesu: „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!“ An der äußeren Schale kann ich nichts von dem erkennen, was sich in der Nuss verbirgt: ist ein Wurm drin, ist der Kern verfault – oder ist es eine schmackhafte Nuss, die zudem noch sehr gesund ist?

 

Gott allein weiß, was sich in meinem Inneren, in meinem Herzen verbirgt. Ob ich nach Gott suche, ob ich eine Beziehung zu Ihm habe, ist äußerlich nicht unbedingt zu erkennen.  

 

Ausgehend von dem Anliegen der Jünger bedeutet das: Es steht weder den Jüngern noch mir und auch niemand anderem zu, über den Glauben eines anderen Menschen zu urteilen. Denn Gottes Geist weht, wo Er es will!
Und so lautet die Antwort Jesu: Lasst ihn! Lasst die Menschen, die sich interessieren, sich anbieten zur Mitarbeit! Selbst die ganz kleinen Dinge – und wenn es nur das Reichen eines Bechers Wasser ist –  sieht Gott und wird es belohnen.

 

 

 

Doch wie anders klingt der 2. Teil unseres heutigen Evangeliums. Wie streng, ja brutal wird Jesus in seinen Äußerungen: Wenn dich deine Hand, dein Auge, dein Fuß zum Bösen verführt, reiß es raus, hau ihn ab!

 

Ich denke, Jesus geht es hier nicht um Brutalität sich selbst gegenüber oder um Missachtung des eigenen Körpers. Hier geht es um Entschiedenheit. Und um den Schutz der Kleinen, der Einfachen.

 

 

Es geht ihm um diejenigen, die ihm in aller Ernsthaftigkeit, mit kindlichem Glauben im besten Sinn des Wortes nachfolgen wollen. Diese sind unantastbar! Niemand darf sie verführen – also im Glauben verunsichern, sie andere Wege als Seine Wege lehren – sei es aus Bequemlichkeit oder aus übertriebener Strenge.

 

Diese überspitzten Aussagen fordern meine Entschiedenheit ein.  Jesus fragt mich und jeden und jede von uns, die wir hier sitzen: Ist es dir mit deinen Vorsätzen wirklich ernst? Lässt du deinen Worten auch Taten folgen?

 

Schade, im Evangelium, wie wir es gerade gehört haben, ist der Abschluss weggelassen. Jesus schließt nämlich seine so harte Aussage mit einem Auftrag an uns:

 

„Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!“

 

Die Entschiedenheit soll nicht zur Spaltung, sondern zur Sammlung, zur Gemeinschaft beitragen. Mit aller Konsequenz – und das ist die Entschiedenheit, die Würze des Salzes – mit aller Konsequenz also, integrieren und auf Verständigung hinarbeiten.

 

Fragen wir uns, ob und wie wir das tun. Denn das ist Jesu Auftrag an mich und jeden und jede von uns!