Kleine Abendmusik in St. Marien am 18.09.2020

 

Zu einer kleinen Nachtmusik statt einer langen Nacht der Kirchen hatte die Pfarrei St. Maria eingeladen. Susanne Zschätzsch (Querflöte), Lucia Weskamp (Klavier) und Barthold Wulfes (Orgel) spielten sommerlich-leichte Originalwerke und Bearbeitungen. Am Anfang stand der erste Satz aus Mozarts Serenade in G-Dur KV 525 „Eine kleine Nachtmusik“ in einer Bearbeitung für Querflöte und Klavier. Die Dynamik der Interpretation machte aus dem allseits bekannten Ohrwurm ein neues, spannendes Hörerlebnis.

 

Wulfes hatte sechs Versetten für Orgel von Giacomo Puccini mitgebracht. Puccini, der vor allem für seine Opern bekannt ist, wirkte zunächst als Organist in Lucca. Zu seinen Aufgaben gehörte die immer neue Ausgestaltung der Messfeier. Daher komponierte er mehrere Reihen von kurzen „Versetten“ für Orgel, um die liturgischen Gesänge zu erweitern oder zu ersetzen. Die Handschriften tauchen erst seit 1988 nach und nach in Kirchen und privaten Sammlungen auf. Wulfes spielte sechs Versetten in F, „die noch der Veröffentlichung harren“. Auf den Einzug im Stil von Musik zum Volksfest folgt eine zarte Melodie in Mittellage, dann eine tänzerische im Diskant. Das vierte Versett in Moll mit vielen Modulationen könnte zum „Agnus Dei“ passen, das fünfte, ein getragener Marsch, zum Kommuniongang. Den Abschluss bildet ein langsamer Walzer. Diese für uns ungewohnte Form der Kirchenmusik ließ aufhorchen.

 

Für die folgenden Stücke für Flöte und Klavier empfahl Zschätzsch, sich einen lauen Juniabend vorzustellen. Der Schwan aus „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns glitt durch den Raum, die Barcarolle „June“ von Pjotr Ilitsch Tschajkowski versuchte, den Sommer noch ein wenig festzuhalten, und in der Serenade „Nightingale“ von Wilhelm Popp trillerte die Flöte in allen Lagen, mit überraschenden Pausen, Tempowechseln und verzwickten Rhythmen, immer im Einklang mit dem Klavier.

 

In das Geläut der St. Johanniskirche hinein dankte Pfarrer Guido Busche für die heitere Musik an diesem Sommerabend und sprach ein Gebet von Paul Weismantel, das an Anlässe zum Danken erinnerte. Das Abendlied rund um die Erde „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“, zweistimmig zur Orgel gesungen, beendete die kleine Nachtmusik.

 

                                                                   Gisela Steudter